Künstlerische Intelligenz: bringt Leben rein
Newsletter | September 2025
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In diesem Jahr arbeiten wir intensiv daran, den Einsatz von KI-Anwendungen für Fendel & Partner zu erkunden. Dabei wird uns auch klar, wie bedeutsam die – zwar wortverwandte, aber ganz andere – künstlerische Intelligenz ist. Mit ihrer Hilfe können wir nämlich in den unendlichen Feldern von KI fein experimentieren und damit die künstlerisch-transformative Ebene unseres Arbeitens bereichern.
Wir nutzen KI nicht, um zu schreiben: weder Newsletter noch Kundendokumente noch Korrespondenz. Das können wir selbst besser, und der Content meldet sich ohnehin bei uns.
Wir wollen durch KI-Einsatz auch nicht vorgeben, etwas zu können, für das wir nicht gemacht sind. Und auf keinen Fall wollen wir Trash produzieren, der von wirklich Wichtigem ablenkt.
Wenn es uns aber in KI-Anwendungen gelingt, künstlerischer Intelligenz Raum zu geben, können sich die nicht-linearen Fähigkeiten entfalten. Sie sind es, die schließlich zu überzeugenden und kreativen Leistungen führen.
Als lebendige Symbolfigur für die Wirkungsweise künstlerischer Intelligenz entdeckten wir David Hockney wieder, den 1937 geborenen englischen Maler. Die gerade zu Ende gegangene große Ausstellung seiner Werke in Paris zwang uns das Thema dieses Newsletters geradezu auf – Sie können es an den Bildern erkennen.
Wir sahen sie und sind begeistert und fasziniert. Wir vermuten sogar, dass sich beim Betrachten die eigene künstlerische Intelligenz angesprochen fühlt – Ihre, unsere …
Ausdruck von Essenz
Essenz und Spirit sind für uns Energiequellen, die Wachstum schaffen. Obwohl wir sie weder erklären noch kontrollieren können, spüren wir sie zum Beispiel in jedem Coolspot. Über sie zu sprechen, führt oft zu etwas Poetischem und generiert eigene Bilder, die nachklingen.
Essenz und Spirit schaffen auch Resonanzräume, in denen etwas fassbar wird und vielleicht sogar Gestalt annehmen kann. Wir vermuten, dass zu David Hockney etwas spricht, das ihn malen lässt, und das eine Dynamik entfaltet, die ihm die Gewissheit gibt: „Das ist es“.
Essenz möchte zum Ausdruck kommen. Am liebsten ganz individuell und mit allen Mitteln, die verfügbar sind.
In den Bildern von David Hockney können wir es sehen: das Beobachten, die Freude an Details, das Umgehen mit Farben und Werkzeugen. Etwas sprechen lassen, das nicht nur den Blick, sondern auch Gedanken magisch anzieht.
Künstlerische Intelligenz und Schmerz
Unangenehme oder sogar schmerzliche Situationen können laut danach rufen, dass etwas nicht so weitergehen solle wie bisher.
Wenn die Wahrnehmungskapazitäten es zulassen und man vom Schmerz nicht völlig „weggezogen“ wird, kann man in solchen Situationen auch etwas Festhängendes oder Stechendes erleben. Man spürte oder ahnte es vielleicht schon früher, konnte es aus guten Gründen aber noch nicht wahrnehmen.
Erst dann, wenn man das Unangenehme sprechen lässt und zum Ausdruck bringt, kann man möglicherweise etwas sehen/hören/spüren, das trösten kann oder sogar Erlösung bringt.
Das nebenstehende Bild malte David Hockney in einer schmerzreichen Lebensetappe.
Die künstlerische Kraft darin bringt den Schmerz zum Sprechen und macht ihn lebendig. Wir sehen und spüren die Spannung.
Schmerz und die Freude am Ausdruck: Beides ist da, und wir erkennen darin etwas, das für uns essentiell ist: „Nichts ist ohne sein Gegenteil wahr“. (Martin Walser)
Festes und Fließendes
Im Volksmund, falls es ihn noch gibt, hört man: „Gegensätze ziehen sich an“. Wir nennen sie Polaritäten: Zwei gegensätzliche Pole sind über eine spannungsreiche Beziehung miteinander verbunden. Solche Konstellationen rufen nach künstlerischer Intelligenz, um die Polarisierung auf nicht-lineare Weise anzureichern, zu erweitern und sie schließlich aufzulösen.
In diesem Ausschnitt aus einem der typischen Yorkshire-Bilder von David Hockney sehen wir zum Beispiel die Polarität von „Festem“ und „Fließendem“. Die Gebäude stehen fest und sind durch die elegant fließende Straße sowohl getrennt als auch verbunden. Egal wie lange man hinsieht, sie bleiben. Die Straße dagegen lenkt den Blick in die Ferne und in Unbekanntes.
Da denken wir sofort an New Work: Man ehrt den funktionierenden und ertragbringenden Alltag und sorgt dafür, dass er weiterhin stabil ablaufen kann. Und gleichzeitig begeben sich die die New Work-Projekte auf ihre Reise. Vision und Ziele deuten in die Zukunft, das Bestehende ist der Ausgangspunkt.
Für uns ist auch das essentiell: New Work sollte nicht zu einem beliebigen Experimentierfeld werden, das Grenzen leugnet oder verschwinden lässt und destabilisierend wirken kann. Die belebende Essenz von New Work steht dann zur Verfügung, wenn Festes und Fließendes gekonnt zusammenspielen.
Die Zuhause-Wirkung: künstlerische Intelligenz braucht sie
Es ist die künstlerische Intelligenz, die es möglich macht, dass Essentielles und konkret Fassbares fein miteinander wirken. Sie ist ein Lebenselixier, das dazu gemacht ist, Freude zu bringen, sich am richtigen Ort zu fühlen, zuhause zu sein.
Zu spüren, dass man zuhause ist, ist in New Work-Projekten eine wichtige Größe. Weil die Essenz von New Work eine Antwort darauf ist, dass etwas Bestimmtes zu Ende gehen soll. Und dass man der Sehnsucht nach etwas anderem folgen und sie als Antriebskraft für Weiterentwicklung nutzen will.
Zuhause kann extrem unterschiedliche Ausprägungen haben: Die einen fühlen sich zuhause, wenn sie sich mit dem Mountainbike „downhill“ stürzen, die anderen, wenn sie in wohliger Atmosphäre am Kaminfeuer sitzen, vielleicht Tee trinken und dicke Bücher lesen.
In diesem Ausschnitt aus einem Bild der Normandie-Reihe, in der David Hockney das iPad als Arbeitsmittel einsetzt (Vorsicht: New Work!), finden wir beides: Natur und Festgefügtes, Licht und Wetter können Sehnsucht wecken: sowohl zu bleiben als auch aufzubrechen.
Wer New Work darauf beschränkt, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus individuellen Büros in Großraum-Arbeitsflächen umzusiedeln, sollte sich daher nicht wundern, wenn es unverdauliche Verwerfungen gibt und der Begriff New Work schließlich zu einem Unwort verkommt.
KI: neue Kollegin mit klarer Einbindung
Kommen wir auf die künstliche Intelligenz zurück. Wir können uns, wohlgemut und offen für Neues, auf sie einlassen, sie kennenlernen und als neue Kollegin einarbeiten.
Aber nur unter der Bedingung, dass die künstlerische Intelligenz immer ihren Raum hat. Wir wissen, dass ihr dieser Raum streitig gemacht wird: durch eigene Überlastung und durch unbedachtes Zulassen externer Zugriffe auf die eigene Aufmerksamkeit.
Wir merken, dass die neue Kollegin mit ihrer unermüdlichen, nie endenden Einsatzfähigkeit auch von uns einen sehr disziplinierten und wachen Umgang verlangt.
Ihre Leistungsfähigkeit begeistert uns, denn auf den ersten Blick werden wir damit schneller und treffsicherer. Wenn Zeit für den zweiten Blick da ist, erleben wir allerdings auch, wie ausgelaugt und leer wir selbst dabei werden.
Das ist für uns das Signal, sofort den Feldern der künstlerischen Intelligenz volle Aufmerksamkeit zu geben: in der Natur eingebettet zu sein, lebendige Beziehungen mit Menschen zu erleben, Überraschungen und Synchronizitäten wahrzunehmen, Stille sprechen zu lassen.
