Die Freiheit, die zu souveränen Entscheidungen führt

Newsletter  |  Mai 2020

In diesen Wochen des ausgedehnten Online-Arbeitens und nimmermüden Austauschs unter Freunden und Kollegen gibt es eine Menge wahrzunehmen. Der Paradigmenwechsel, in dem wir alle gerade leben, erzeugt sehr unterschiedliche Resonanz, bei uns selbst und auch bei anderen. Einige Grundmuster:
Man spürt, dass sich im eigenen Inneren Widerstand gegen etwas regt. Ebenso regt sich Widerstand aber auch gegen das Gegenteil. (Wenn wir im Vier-Phasen-Modus denken, also Phase 2).
Oder man ist auf individuelle Art und Weise gerade recht zufrieden. Man fühlt sich gut aufgestellt, konnte die Geschäftsaktivitäten geschmeidig anpassen, und „irgendwie“ läuft es ganz gut. (Also Phase 1).
Oder man bemerkt, dass man auf sehr vieles gleichzeitig reagiert und dabei ein Getümmel von innerer Resonanz erlebt.
Ohne jede Ordnung scheint alles auf einen einzuwirken. Immerhin: Man kann es wahrnehmen und bewusst erleben (Phase 3).
Gerade diese Phase 3 ist es, in der etwas wirklich Neues möglich wird. Auch wenn das nervig und anstrengend sein kann. Es gilt, sich von dem Druck zu befreien, auf alles sofort die richtige Antwort zu finden. Es gilt, sich für Freiheit zu entscheiden. Obwohl (oder vielleicht auch: weil) man sich nach Vereinfachung und Ruhe sehnt. 

Unübersichtliche Situationen brauchen inneres Management

Für viele von uns ist es aktuelle Realität: Etwas zutiefst Unerträgliches erreicht einen im tiefsten Inneren. Überall und immer wieder. Mit buchstäblich überwältigender Wirkung. Wer noch einen Rest von Bewusstheit und einen Hauch von Wohlwollen übrig hat, kann vielleicht bemerken: Das ist das klare Signal, das eigene innere Management (wieder) in Betrieb zu nehmen. Es ist gerade nicht die Aufforderung, sofort zu handeln und Entscheidungen in der Sache zu treffen. 
Sondern ganz im Gegenteil sogar, innezuhalten und einen inneren Prozessweg einzuschlagen, und zwar in Ruhe und Schritt für Schritt:
-> offen und neugierig wahrzunehmen
-> möglichst viel zu spüren
-> Signale intuitiv aufzunehmen
-> Raum & Zeit zu sichern, damit man alles wirken lassen kann
-> besondere Momente von Erkenntnis & „Wahrheit“ anzunehmen
-> den nächsten Schritt mehr zu erspüren als zu denken
-> und dann erst in der Außenwelt zu handeln.
Das mag unglaublich schwierig und komplex erscheinen, vielleicht auch noch verwirrender als alles, womit man sich ohnehin schon herumzuschlagen hat. Woher soll man die Zeit für solchen Luxus nehmen?
Da ist eine andere Art von Entscheidung nötig – wenn der Moment dafür da ist. Ist er da? Das ist der erste Entscheidungsschritt.

Die Entscheidung für inneres Management ist eine Entscheidung für Freiheit

Man entscheidet sich dafür, nicht mehr reaktiv und quasi automatisch auf Reize und Einflüsse zu antworten.  Obwohl genau diese Automatismen in unerträglichen und unübersichtlichen Situationen eine gewisse Sicherheit und Orientierung geben.
Nein, alles Mögliche und auch Unmögliche will hier als gleichwertig betrachtet werden, denn jetzt wird alles gebraucht, um eine eigene Entscheidung zu treffen.
Dem inneren Management höchste Priorität zu geben, ist eine Entscheidung für Freiheit: für die Freiheit, alles als gleich wichtig zu betrachten. Für die Freiheit, Raum und Zeit im eigenen Inneren zu gestalten. Für die Freiheit, sich mit Höherem und mit der Tiefe zu verbinden. Für die Freiheit, zu Zentrierung und Gelassenheit zu finden. Für die Freiheit, das zu wählen, was einem gut tut und Sicherheit gibt. Für die Freiheit, etwas werden zu lassen. Für die Freiheit, Nähe und Distanz selbst zu erspüren und zu balancieren. Für die Freiheit, sich mit allem zu verbinden, das die eigene Ruhe, Intuition, Kreativität und Sicherheit speist.

Freiheit weckt Zauberkräfte (für Phase 3)

In diese Freiheit führt man sich selbst durch inneres Management. Das braucht einen Führungsstil, der dem eines Facilitators gleicht. Man muss Raum und Zeit halten können und die Gleichwertigkeit allen Geschehens respektieren. Reaktives Vorgehen strebt an dieser Stelle eher nach Über- oder Unterordnung, zwingt auch zum Marginalisieren und Eliminieren. Das kann an anderer Stelle passend sein, führt aber in dieser Phase nicht zur Erfüllung von Sehnsuchts- und Wunschzielen, in denen sich etwas transformieren und qualitativ wachsen soll.
Wer sich für inneres Management und die dadurch entstehende Freiheit entschieden hat, spürt in sich selbst wahrscheinlich eine Resonanz, die neugierige Offenheit erlaubt und Sicherheit gibt. Nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere Beteiligte. Genau das wird in Phase 3 gebraucht, denn so kommen verschiedene Positionen mit einander in Dialog. Überraschende Erkenntnisse werden möglich. Selbst für „verfeindete“ Positionen können sich dann Momente ergeben, in denen die Beteiligten vielleicht sagen: „ok, machen wir es einfach so!“ oder „ich verstehe, dass in der jetzigen Situation jede/r auf eigene Art leidet, lasst uns das mal berücksichtigen“.
In diesen Stimmen steckt mehr als in der „Alles-ist-gut-Sicht“ von Phase 1. Die Stimmen der Phase 3 finden in einem solchen Coolspot für einen Moment zur Ruhe. Gemeinsames wird spürbar, und man ist großzügiger gegenüber Widersprüchen. Energie kann wieder fließen und steht für etwas Neues zur Verfügung.
Die Freiheit durch inneres Management strahlt nach außen und kann die Resonanz hervorrufen, die dazu ermutigt, unter Druck verdrängte oder verschüttete Kräfte wieder zu nutzen. Zum eigenen Wohl und auch zum Wohl aller anderen.