Vier Fragen und vier Antworten – Dorothée

Melanie MinderjahnMelanie Minderjahn, die  in den letzten Jahren die Start-up – Kultur der TU Darmstadt mitgestaltet und kommunikativ begleitet, befragte Dorothée Fendel

 

Melanie MinderjahnKönnen Sie mir drei Begriffe nennen, die Ihnen spontan zu Ihrer aktuellen Lebenssituation einfallen?

Hohe Komplexität. Anstrengende Dynamik. Glück.

 

Melanie Minderjahn

Wie erfreulich, dass Ihnen der Begriff „Glück“ einfällt! Sie arbeiten nun schon einige Jahre als Fendel & Partner. Gibt es eine Philosophie oder eine Überzeugung, die Sie sich über die Jahre hinweg bewahrt haben? – oder die sich entwickelt hat?

Davon gibt es wesentlich mehr als eine: Dass Leben und Arbeiten im Grunde daraus besteht, Beziehungen zu gestalten – Beziehungen allerdings nicht im Sinne von „Vitamin B“. Dass es nicht (nur) auf die Fakten ankommt, sondern vor allem darauf, wie man sie wahrnimmt und mit ihnen umgeht. Dass Rang ein ganz heißes Thema ist und man schlimme Verwüstungen anrichten kann, wenn man sich des eigenen Rangs nicht bewusst ist. Dass Kunst wichtig ist. Genügt Ihnen das fürs erste?

Melanie Minderjahn

Ja , vielen Dank 🙂  Erinnern Sie sich denn noch an Ihren Start mit Fendel & Partner?

Die kurze Antwort: Ja.

Die etwas längere Antwort: Ein Führungs-Workshop für eine Gruppe von internationalen Nachwuchskräften war verhandelt, erteilt, terminiert und stand kurz bevor. Da stieg Franz‘ Kompagnon aus dem Unternehmen aus. Nach kurzem Zögern sprang ich ein (ein Mann und eine Frau waren für die gemischte Gruppe auch besser als zwei Männer), wir bereiteten den Workshop gemeinsam vor und facilitierten die vier Tage auch gemeinsam.  Niemandem sagten wir, dass es unser erster gemeinsamer Auftrag war. Es lief toll, die Teilnehmer/Innen waren begeistert von den Inhalten und unserer Vorgehensweise,  sie und wir waren sehr zufrieden, und bald gab es einen Auftrag für eine Fortsetzung. Dann stellten wir fest: Was wir da machten, war sehr intuitiv. Nun wollten wir erstmal verstehen und lernen, was uns da so traumwandlerisch gelungen war. Es folgten viel Weiterbildung, viel eigenes Forschen und Entwickeln, viel Begeisterung und viele Zweifel. Und im Lauf der Jahre entstand die Kunst des Zusammenarbeitens als unsere Spezialität, denn die beherrschten wir anfangs am allerwenigsten: unsere Konflikte waren zerstörerisch und extrem kräftezehrend.

Melanie Minderjahn

Das Thema interne Konflikte führt mich schon zu meiner letzten Frage: Sie bilden bei Fendel & Partner gemeinsam mit Ihrem Mann ein Team – wie schaffen Sie es über die Jahre hinweg Ihr Privatleben zu bewahren?  Wie nutzen Sie diese schwimmende Grenze zwischen Beruf und Privatleben?

Interessante Doppelfrage! Sie haben sie selbst schon fast beantwortet, denn die Grenze ist tatsächlich schwimmend. Da der Schwerpunkt unserer Arbeit das Führen und Zusammenarbeiten ist, profitiert unser privates Zusammenleben extrem von unseren beruflichen Erkenntnissen. Ebenso wie unser berufliches Forschen und Entwickeln von der wachsenden Tiefe und Intensität unseres Zusammenlebens profitiert. Das heißt allerdings auch, dass manchmal das eine auch das andere mit in einen Abgrund reißen kann. Da hilft dann nur noch: „Wir wissen, dass es eine Lösung gibt, und irgendwann (hoffentlich bald) werden wir sie finden.“

Fendel & Partner