Vier Fragen und vier Antworten – Franz

Melanie MinderjahnMelanie Minderjahn, die  in den letzten Jahren die Start-up – Kultur der TU Darmstadt mitgestaltet und kommunikativ begleitet, befragte Franz Fendel

 

Melanie MinderjahnKennen Sie das Lied „Lass uns gehen“ von Revolverheld? Dort gibt es die Textzeile „Bin immer erreichbar und erreiche doch gar nichts“ – kennen sie dieses Gefühl? Wollen Sie auch manchmal „raus“? Oder fühlen Sie sich in guter Balance??

Lass uns gehen“ gefällt mir spontan. Leider bin ich so alt, dass ich bei Revolverheld als erstes an Italowestern, dann an die Beatles-LP von 1966 und meine Motorradhand-schuhe denke . Schließlich lande ich dann bei  Lemmy & den Motörhead.

Melanie MinderjahnDann habe ich Sie ja direkt ins Träumen versetzt 🙂

Ja, Sie merken, Ihre Frage hat mich sofort nach drinnen und draußen gebracht. Und sie trifft ziemlich gut die gute Balance in der Arbeit von Fendel &  Partner: wenn wir mit unseren Kunden arbeiten, sind wir ganz drin, immer erreichbar und zusammen gehen wir raus. Raus aus dem, wo nicht mehr so viel erreicht wird, und hin zu dem, wo die Musik wirklich spielt.

Melanie Minderjahn

Sie unterscheiden sich mit Ihrer feinen familiär geführten Unternehmensberatung von den klassischen Beratungsfirmen – passt der Begriff Unternehmensberatung denn überhaupt?  Wie würden Sie ihr alltägliches Tun beschreiben?

Super-Frage: oft machen Leute ein enttäuschtes, vielleicht sogar gequältes Gesicht, wenn ich sage, dass ich Unternehmensberater bin. Dann wird es oft für einen Moment ein bisschen kalt und steif. Wenn wir sagen würden „wir machen Coaching, Facilitation und Organisationsentwicklung“ , dann wäre es einfacher. Aber es würde auch etwas fehlen:  Wir sind deshalb Unternehmensberater, weil wir immer den Kunden des Kunden und die Mitarbeiter und Kollegen mit im Spiel halten. Und weil die Faktoren Geld und Geld-Verdienen immer auf die besonderen Möglichkeiten unserer Kunden und den Spirit-Faktor  und Lebenssinn hinweisen. Ich finde, dass im Lebenssinn immer etwas Unternehmerisches und Anpackendes angesprochen ist.  In unser Arbeit geht es immer darum, dass die Klienten nachher mehr können als vorher. Das ist vergleichbar mit profitabel und nachhaltig sein.  Es geht auch immer darum, dass die Klienten spüren, wo die wirkliche Unterstützung herkommt. Das ist dann so etwas wie Lieferanten- oder Stakeholder-Management. Und die Kernfrage ist natürlich immer, für wen ist das wichtig und wertvoll, was ich oder wir anzubieten haben. Da geht es auch um den berühmten Schmerz des Kunden. Das entspricht dem großen Feld von Produkt-Management, Marketing, Verkauf. Sie merken, in unserer Arbeit geht es in die Tiefe und es ist hands-on, praktisch, zielorientiert. Wenn ich nur einen Satz hätte, würde ich sagen:  es geht immer darum, Beziehungen so zu gestalten, dass das Beste geschehen kann.

Melanie Minderjahn

Sie greifen Themen auf wie „Träumen“ und „die Kräfte des WIR lebendig machen“ – haben solche Themen  Ihren Ursprung in Ihrem grundsätzlichen Arbeitsansatz der Prozessorientierten Psychologie?

Ja, wir arbeiten gerade in Business relevanten Themen oder zu Fragen der Führungskultur  mit parallelen Welten. Sonst bekämen wir – erlauben Sie mir den Ausdruck – die Komplexität nicht gerockt. Wenn man mit Komplexität und Reichtum arbeiten will,  dann geht es weniger um „entweder-oder“ sondern fast immer um „und – und – und“. Wenn man das mit dieser Sichtweise angeht, macht das leistungsstark, robust,  mitfühlsam, inspirierend und zukunftsfähig. Und das alles zugleich. Aus der Prozessorientierten Psychologie und dem WorldWork-Ansatz von Arny Mindell  lernen wir seit vielen vielen Jahren dauernd dazu. Vielleicht sind wir  Fendel & Partner da so aufnahmefähig und entwicklungsfreudig, weil wir so unseren starken betriebswirtschaftlichen, kommunikativen und Leadership-Hintergrund richtig lebendig und wirksam machen können.

Noch schnell etwas zum Traum-Modus: die meisten von uns denken da als erstes einmal an die Nächte oder besondere Urlaubssituationen. In unserer Arbeit hat das viel damit zu tun, was „gerade so alles am passieren ist“ und was sich assoziativ alles meldet, wenn man in einem schwierigen Feld agiert oder an einem Engpass leidet.  Besonders brauchen wir die  eher traumähnliche Beweglichkeit und Intuition, wenn Konflikte und Spannungen wirklich aufgelöst und nutzbar gemacht werden sollen. Und natürlich, wenn es um das geht, den Kurs zu bestimmen und Orientierung für Zukünftiges zu haben.

Melanie MinderjahnWie reagieren die Menschen auf solche Themen? Stoßen Sie damit  im Unternehmenskontext nicht öfter auf verwunderte Gesichter?

Verwunderte Gesichter sind gut, finde ich.  Besonders wenn man eigentlich zukunftsfähig  Führen möchte. Denn das ist ja das Umgehen-können, mit dem was man so noch nicht kannte und neue Möglichkeiten eröffnet.  Ihre Frage erinnert mich aber an einen entscheidenden Punkt : in unserem Beruf als Unternehmensberater, die sich auf die Kunst des Zusammenarbeitens und gutes Führen spezialisiert haben, ist es immer wichtig, dass wir die Menschen erreichen. Und das so, dass die Alltagswelt und ihre Herausforderungen im Blick sind. Das muss sich immer „irgendwie“ ergeben. Deshalb braucht unsere Arbeit auch ein besonderes eigenes inneres Management. Und deshalb arbeiten wir am liebsten auch im Team.

Wenn wir mit Führungspersonen, Teams und Organisationen arbeiten, geht es immer darum, qualitativ zu wachsen. Also morgen mit etwas umgehen können, was heute noch undenkbar erscheint. Dafür haben wir einige richtig hilfreiche Paradigmen und ein paar richtig gute Werkzeuge an Bord.

Fendel & Partner