Die Kräfte des WIR lebendig machen (Febr. 2019)

Kinder hören gern Geschichten. Besonders gern auch solche Geschichten, in denen viele gemeinsam etwas Großes erreichen, das eine/r allein nicht hätte schaffen können.
Viele Erwachsene mögen solche Geschichten auch, haben aber oft Vorbehalte: illusorisch, unmöglich, unrealistisch, märchenhaft … Geschichten hingegen, die schlecht ausgehen, in Vereinzelung und Verbitterung enden, in denen Ungerechtigkeit sich durchsetzt: solche Geschichten finden Erwachsene glaubwürdig.
Kinder scheinen auch geborene Aktivisten zu sein, denn nichts ist für sie leichter, als eine gute Idee mit anderen gemeinsam in eine gute Aktion umzusetzen.
Aber früher oder später verlieren viele dieses „natürliche“ Aktivistentum. Um es später als Erwachsene wieder neu zu erlernen.
Denn auch erwachsene Menschen mögen Zugehörigkeit. Ob wir es Gemeinschaft, Community, WIR-Gefühl oder anders nennen: Sie sind bereit, andere zu unterstützen und wollen sich auf andere verlassen können. Sie wollen spüren, dass sie etwas bewirken. Nicht nur, aber gerade auch im Beruf.
Das ist das Feld, in dem auch wir uns bewegen, und so  heißt unser Thema 2019 denn auch „WIR lebendig machen“.
Die Kräfte des WIR lebendig machen
WIR ist eine Sehnsucht
Wer einen neuen Job anfängt, sagt häufig schon in der zweiten Woche „Wir“, wenn siedas neue Unternehmen oder das Team meint, in dem sie jetzt arbeitet. Man könnte darüber lächeln. Man könnte auch wahrnehmen, was darin zum Ausdruck kommt:
  • Ich möchte dazugehören.
  • Ich wünsche mir eure Unterstützung.
  • Ihr könnt euch auf mich verlassen.
  • Ich möchte mit euch zusammen einen guten Job machen.
Wäre es nicht schön, wenn man so etwas hin und wieder zu hören bekäme? Oder sogar selbst sagen könnte? Es kann nämlich sehr schnell wieder vorbei sein. Nach neun bis zwölf Monaten sagt der oder die Neue vielleicht nicht mehr „Wir“, sondern „Sind die blöd oder was?“
WIR ist ein Prozess
WIR ist im Kern immer da und bleibt im Alltag häufig unbemerkt. Erst wenn man ihmAufmerksamkeit gibt, wird es deutlich: Dann kann man in allem, was geschieht, auch etwas über den Zustand des WIR erfahren. Zieht man daraus keine Schlüsse, bleibt dieses Potenzial ungenutzt. Sobald man aber bereit ist, die Download-Verbindung zu diesem Potenzial in Gang zu setzen, kann sich das WIR manifestieren. Es entfaltet sich als ein Prozess, den man aktiv gestalten kann. Und zwar nicht als „Alltagsersatz“, sondern als parallel laufendes Programm.
Aus dieser Perspektive könnte man die Schwierigkeiten oder Widerstände, die täglich zu meistern sind, als etwas Nützliches auf dem Weg zu einem gewünschten WIR betrachten. Ein WIR, das nicht nur nach innen ins Unternehmen wirkt, sondern auch ins nähere und weitere Umfeld ausstrahlt – zu Kunden zum Beispiel.
 
WIR ist übrigens nicht: Eingemeindet-Werden oder „Commitment, bitte!“
WIR ist eine Entscheidung
In Unternehmensleitbildern stehen viele Sätze, die mit Wir beginnen. Drei Beispiele:
  • Wir begegnen einander mit Respekt und Wertschätzung.
  • Wir sprechen nicht übereinander, sondern miteinander.
  • Wir sind ein kundenorientiertes Unternehmen.
Die Frage ist: Wird es auch gelebt, ist es lebendig? Greift man darauf zurück, wenn man eine Richtschnur braucht? Gibt es einen etablierten Verbindungsmodus zum Leitbild, der genutzt wird?
Man kann eine Entscheidung für das WIR treffen und dann in Strukturen investieren, die einen solchen Verbindungsmodus schaffen. Andernfalls bleibt das WIR ein ungenutztes Potenzial für Erfolg.
P.S.: Bewusste WIR-Prozesse in Teams und Organisationen machen übrigens auch zukunftsfähig.

Fendel & Partner