Transformation braucht Kommunikationsräume (Sept. 2018)

In vielen Teams und Unternehmen ist Transformation heute ein geläufiger Begriff. Wenn man zuhört, geht es darum, einen etablierten Zustand grundlegend zu verändern und in einen neuen und zukunftsträchtigen Zustand zu kommen: eine innovative Marktposition, wettbewerbsfähige Kosten, neue Ertragsquellen, bessere Abläufe, Wachstum, mehr Erfolg und Anerkennung.

Die meisten Führungspersonen sind bereit, eine ganze Menge zu tun, um mit ihrem Team oder Unternehmen  da hinzukommen. Projekte werden aufgesetzt, experimentelle Teams auf den Weg geschickt, man geht neue Partnerschaften ein.

„Eigentlich“ müsste dann alles gut laufen, aber im Alltag schließlich klappt manches doch nicht so, wie es sein sollte: Man selbst gerät vielleicht in einen Zick-Zack-Modus, bestimmte Akteure stehen plötzlich doch nicht zur Verfügung, Beteiligte sind auf einmal nur noch Betroffene und ziehen nicht mit. Kurzum: vieles läuft anders, als man geplant und gehofft hatte.
Hat man etwas übersehen? Gibt es etwas zu lernen, das gerade jetzt besonders gebraucht wird?
Ja. Ein Bewusstsein für einen lebendigen Kommunikationsraum, in dem alle die Werdeprozesse miterleben, mitgestalten und in das Neue hineinwachsen können.
Transformation braucht Kommunikationsräume
Das Besondere von Transformationen
Transformationen sind Raum-Zeit-Ereignisse und keine punktuellen Lösungen, und sie sprechen alle verfügbaren Kräfte an. Sie lassen sich nicht im Alleingang durchsetzen.
Transformationen entwickeln eine Dynamik, die gänzlich Neues hervorbringt. Dafür brauchen sie Raum und Zeit. Sie wirken so tief, dass danach wichtige Koordinaten verändert sind und sogar die Erinnerung an den vorherigen Zustand verblasst. Das Neue scheint schon immer da gewesen zu sein. Darin liegt ein großes Potenzial.
Wer es entfalten will, muss sich mit Kommunikation beschäftigen. Auch wer noch nicht ans Transformieren denkt, tut gut daran, die kommunikativen Voraussetzungen zu schaffen. Konflikte lassen sich so leichter lösen oder verlieren schon im Vorfeld an Schärfe.
Bewusstsein für Kommunikationsräume schaffen
Auch Nicht-Kommunikation ist Kommunikation. Wer nicht kommuniziert, was er will oder tut, oder anderen kein Feedback gibt, ist nicht neutral, sondern setzt ein deutliches Zeichen. Kinder bekommen dann zu hören „Ich will nichts mehr hören“, Mitarbeitende vielleicht: „Ich habe mit Ihnen nichts zu besprechen.“
Solche Nicht-Kommunikation lässt Gerüchte, Misstrauen und Zynismus gedeihen, die wie eine ansteckende Krankheit wirken und den Handlungsspielraum immer enger werden lassen.
Bewusstsein für einen Kommunikationsraum wirkt dagegen in die andere Richtung: ermutigend, einladend, wachstumsfördernd.
 
Gute Kommunikation:
  • öffnet Räume, die zu weiterer Kommunikation einladen. Sie gibt Sicherheit: man wird gehört, bekommt Aufmerksamkeit, wird gebraucht.
  •  ist verlässlich: Kontinuität ist beabsichtigt. Die Empfänger spüren, dass sie sich darauf verlassen können. Auf Worte folgen Taten.
  • will Resonanz: Etwas kommt zum Klingen, wird spürbar, gibt ein gutes Gefühl. Resonanz ist mehr als eine Antwort; sie wirkt weiter, öffnet den Raum, setzt eine Dynamik in Gang.
  • schafft Zugehörigkeit: Jede/r hat die Chance, zum Teil eines größeren Ganzen zu werden, einen gemeinsamen Sinn zu teilen und ein gemeinsames Ziel zu verfolgen.
  • lässt Neues entstehen: Sie ist nicht nur Mittel zum Zweck, sondern schafft auch Zugang zu schlummernden Potenzialen und Ressourcen, weckt Kräfte und Fähigkeiten, lässt die Beteiligten wachsen.
Wie das geht? Kommunizieren!
Irgendjemand muss irgendwann damit beginnen, so zu kommunizieren, dass der Raum sich öffnen kann. Und diesen Raum halten und beleben (das Gegenteil eines Führungsvakuums). Er/sie bringt die Beteiligten auf intelligente Weise zusammen. Das goldene Prinzip: mit einander sprechen und nicht über einander! Im Einzelnen:
Wohlwollen reinbringen. Grundeinstellung: davon ausgehen, dass alles, was gesagt oder getan wird, einen guten Grund hat. Den Grund oder Zweck zu erfahren, wird den Prozess beschleunigen und weiterbringen.
Feedback geben. Eine Frage der Haltung und nicht der Technik: „Danke für die Info“. „Ich brauche etwas Zeit für die Antwort“. „Ich werde mich darum kümmern und halte Sie auf dem Laufenden“. …
Resonanz erlauben. Etwas klingen lassen. Dem Klang Zeit zur Entfaltung lassen. Zuhören oder sogar lauschen. Nicht als Erste/r antworten müssen.
Raum für Gegensätze und Widersprüche. Sie zum Ausdruck kommen lassen und  würdigen. Sich für sie interessieren, denn sie gehören unbedingt dazu.
Kanal wechseln. Wach und präsent sein:Mails werden nicht beantwortet? Dann vielleicht telefonieren oder sich treffen. Es wird nur über „Fakten“ gesprochen? Eine andere Ebene finden: im passenden Moment Humor reinbringen oder Emotionen zeigen oder Empfindungen zum Ausdruck bringen oder …
 
Coolspots ermöglichen. Aufmerksam sein für Momente, in denen sich etwas spürbar verändert und alle näher zusammenrücken. Diese Momente für alle „rahmen“ und für tragfähige Entscheidungen nutzen.
 
Weiterführende Sichtweisen, Methoden und Werkzeuge gibt es hier: Die Kunst des Zusammenarbeitens
Hilfreich zum sofortigen Loslegen: die aktuellenTipps zum wirksamen Führen.

Fendel & Partner